Schnittblumen und Verpackung
Für jeden Floristen ist es selbstverständlich, den fachmännisch gebundenen Strauß für seinen Kunden zu verpacken.
Was soll damit erreicht werden?
Die Blumen sollen vor äußeren, mechanischen Einflüssen und der Kunde unter anderem gegen Blütenstaub, Nässe etc. geschützt werden. Wenn man die Verpackungsgewohnheiten im Fach beobachtet, dann geht's von Einwickeln, Stiele und Blüten ungeschützt, bis zur vollständig geschlossenen Verpackung. Was ist richtig, was ist falsch? Was kann von der Papierverpackung, was kann von der Klarsichtverpackung erwartet werden? Hat die Packart und der Packstoff Einfluß auf die Erhaltung der Frische von Schnittblumen? Unbedingt! Und diese Überlegungen sind sehr wichtig für den Blumenfachhandel.
Der Käufer erwartet ja nicht nur gekonnte Floristik, sondern auch Frische und lange Lebensdauer der Blumen. Wenn der Kunde zwischen Fachhandel und Wochenmarkt vergleicht, wird sein Urteil zur gekonnten Floristik immer subjektiv sein, während die Frische meßbar, also objektiv, ist.
Schon der kurze nach-Hause-Weg von 30 Min. genügt, um die Schnittstellen der Stiele austrocknen zu lassen. Der Hinweis des Floristen "bitte schräg anschneiden vor'm in die Vase stellen" ist gutgemeint, aber von geringer Wirkung. Denn: schneidet der Verbraucher überhaupt an?, hat er Zeit dazu?, wie weit soll er schneiden?
Nur wenn die Stielenden voll eingepackt sind, läßt sich das Austrocknen, je nach Packstoff sehr unterschiedlich, aber davon später, zumindest bremsen.
Wir wissen aus der Fachliteratur, daß die Schnittblume lebt und atmet. Die durch den Stiel aufgenommene Feuchtigkeit wird durch Blüte und Blätter verdunsten. Und zwar um soviel, wie die den Strauß umgebende Luft an Feuchtigkeit aufnimmt. Die Verpackungsart "oben offen" fördert dieses Verdunsten, die geschlossene Verpackung bremst das Verdunsten. Es entsteht in der geschlossenen Verpackung ein Kleinklima, die Feuchtigkeit bleibt - auf Zeit - erhalten (siehe Abbildung). Natürlich verstehen sich diese Überlegungen auf handelsübliches Verpacken, das heißt die Seitennaht und das Einfalten unten und oben sollen doppelt (überlappend) liegen und es wird, wie üblich, durch Nadel, Heftklammer oder Klebstreifen die Verpackung fixiert. Der Klimaaustausch an diesen "Nahtstellen" ist geringfügig bei den normalen Transportzeiten. Neben den normalen Transporten dürfen die extremen Wege und Zeiten nicht vergessen werden:
- - Blumen im heißen und trockenen PKW-Kofferraum
- - Blumen im Eisenbahnzug, im Flugzeug.
Hier ist zwar die "geschlossene". Packform kein Allheilmittel, aber sie wird mit Sicherheit helfen, daß die Blumen einigermaßen wohlbehalten beim Empfänger ankommen. Soviel zur Art des Packens und damit zu einigen Gedanken über die unterschiedlichen Packstoffe, also dem "Blumenpapier".
Wie schnell verschwindet das schon erwähnte Kleinklima durch's Papier hindurch? Das läßt sich durch Laborprüfungen ergründen. Tabelle 1 (siehe unten) zeigt die Wasserdampfdurchlässigkeit von normalem Blumenpapier, ergo-plus beschichtetem Blumenpapier und Klarsichtfolie ergophan. Es zeigt sich: ergophan ist praktisch wasserdampfundurchlässig, beschichtetes Papier mehr als 5 mal so undurchlässig wie normales Papier.
Interessanter ist es natürlich, einen gepackten Strauß im Labor zu untersuchen, denn die erwähnte Wasserdampfsperre einer Materialprobe ist etwas anderes, als die übliche Packart mit Selbstklebestreifen, Nadel oder Klammer. Deshalb zeigt Tabelle 2 den Feuchtigkeitsverlust nach 1 bis 68 Stunden in Prozent.
Das erwähnte Klimagefälle von 100% Feuchte zu 50% Feuchte entsprach den Laborbedingungen. Im Fachgeschäft wird man sich ja bemühen, bei 18°C eine relative Feuchte von 65% zu halten. Aber der Klimaabfall kann sehr extrem sein. Es sei noch einmal an den Blumentransport im heißen und trockenen Kofferraum des Auto's erinnert.
Man bedenke auch, daß der Strauß durch Blatt und Blüte Wasser verdunstet, also sich das Kleinklima in der Verpackung schnell mit 100% relativer Feuchte sättigt. Es ist verständlich, daß an sehr heißen und trockenen Tagen, das heißt bei einem großen Klimagefälle der Feuchtigkeitsverlust schneller und größer sein muß, als in Tabelle 2 angegeben. Nebenbei bemerkt: dieser Klimaaustausch findet natürlich auch in umgekehrter Richtung statt, beispielsweise bei Frost.
Laborprüfungen sind eine Sache. Ergänzen sollte man solche Findungen durch die Beobachtungen von Fachleuten. Eine Fachschule hat in einer Testreihe das Verhalten von Schnittblumen nach dem Transport in den mehrfach erwähnten Packarten: oben und unten offen, oben zu und Stiele eingewickelt, und in den drei Verpackungsmaterialien beurteilt:
- - auf die Lebensdauer der Schnittblumen haben die unterschiedlichen Verpackungen keinen wesentlichen Einfluß
- - die Erholphase ist bei nicht beschichtetem Papier und ungeschützten Blumenstielen deutlich länger und bei empfindlichen Arten nur bei guter Behandlung (Anschneiden, Heißwasser, Kühlstellen usw.) von Erfolg
- - verpackte Schnittstellen schützen die Schnittblumen vor Feuchtigkeitsverlust, was ihre anhaltende Frische und Regenerationsfähigkeit, aber nicht ihre Lebensdauer, positiv beeinflußt.
Wenn man berücksichtigt, daß es für den Blumenfachhandel von großer Bedeutung ist, sich in subjektiver und objektiver Leistung von "sonstigen" Blumenverkaufsstellen abzuheben, so stehen diese Kosten und Mühen um die bessere Verpackung in keinem Verhältnis zum Erfolg.
Wer zusätzlich noch eine Pflegeanleitung und ein Frischhaltemittel seinem Kunden mitgibt, hat alles für die "Frische seiner Floristik" getan.
(Harry Behrmann - GÖRGES KG ergowerk)
Tabelle 1
| Wasserdampfdurchlässigkeit - Test nach DIN 03122 bei 23°C + 85% v. H. | ||||
|---|---|---|---|---|
| Vergleich von: |
| |||
| a) handelsüblichem Blumenpapier | = | 100 | (2.750 g/qm, 24 h) | |
| b) Blumenpapier, ergo-plus beschichtet | = | 17 | (470 g/qm, 24 h) | |
| c) Klarsichtfolie ergophan | = | 0 | (1 g/qm, 24 h) | |
Tabelle 2
Feuchtigkeitsverlust in Prozent durch das Packmaterial. Prüfling war ein simulierter verpackter Blumenstrauß, unten und oben geschlossen.
Klimagefälle: innen 23°C + 100% rel. Feuchte, außen 23° C + 50% rel. Feuchte.
Inhaltsgewicht 150 g. Packmaterialfläche rund 0,9 qm.
| Vergleich von: | Gewichtsverlust in % nach | ||||
|---|---|---|---|---|---|
| 1h | 3h | 5h | 20h | 68h | |
| a) handelsüblichem Blumenpapier | 0,6 | 2,4 | 3,3 | 14,2 | 38,2 |
| b) Blumenpapier, ergo-plus beschichtet | 0,3 | 1,1 | 1,6 | 7,0 | 22,1 |
| c) Klarsichtfolie ergophan | 0,0 | 0,0 | 0,1 | 0,3 | 0,4 |
Quellen
Dr. Bernd Carow
"Frischhalten von Schnittblumen"
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart
Ir. C. Buys
"Pokon-Chrysal-Informationen"
Bendien, Naarden, Holland
Laborprüfungen:
Wolff Walsrode AGPrüfreihen:
Fachschule Gartenbau und Floristik,Hannover-Ahlem
Pflegeanleitungen:
Verlag August Güse,Karben 3
ergo-plus und ergophan:
Görges KG - ergowerk,Neustadt in Holstein